Schweden mit viel Schnee und Eis
25.03.2011 – 27.03.2011
Schweden
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Mein Reiseerlebnis
Schweden hat viel zu bieten, aber ich brauche natürlich etwas Besonderes, um meinen Urlaub in Europa zu verbringen, wo es mich doch so gerne in die Ferne zieht. Es ist zwar eigentlich nicht meine Welt, Schnee und Eis, da ich eher der Sonnenanbeter bin, aber es hat etwas Extremes und vor allem etwas komplett Außergewöhnliches, in einem Eishotel zu übernachten. Und da auch eine meiner besten Freundinnen, immer offen für Verrücktes ist, haben wir damals entschlossen einen Kurztrip der etwas anderen Art zu machen.
Meine Freundin hat damals eine Zeit lang in Schweden gearbeitet, sodass wir uns in Stockholm getroffen haben, um per Inlandsflug nach Kiruna zu fliegen. Hoch im Norden sind wir dann bei eisigen Temperaturen spät abends Mutterseelen allein angekommen und haben noch eine Nacht in einem kleinen Mittelklassehotel in der Nähe des Flughafens verbracht – noch also im Warmen und in richtigen Betten. Früh morgens am nächsten Tag startete dann unser erstes Mega-Erlebnis: die Husky-Safari. Es sieht einfacher aus als es ist, den Schlitten zu fahren. Und bequemer, wenn auch kälter, ist es, entspannt auf dem Schlitten zu sitzen und sich durch die wunderschöne schneebedeckte Landschaft ziehen zu lassen. Die Kraft und Ausdauer dieser Schlittenhunde sind einfach beeindruckend. Und laut sind sie – schon im Lager werden wir mit lautem Bellen begrüßt. Alle sind heiß darauf loszujagen. Daher werden wir noch schnell gebrieft, dass wir unbedingt bei der Anfahrt stark auf die Bremse treten müssen. Die ersten Meter vom Lager gehen nämlich direkt bergab und das kann schnell ins Auge gehen, wenn die Meute ungebremst losstürmt. Und dann geht es auch schon los. Dick eingepackt in Thermojacke, Thermohose sowie Winterboots, die wir allesamt gestellt bekommen haben und im Preis inklusive sind, starten wir. Zuerst kutschiere ich meine Freundin mit den 5 Huskys durch die weiße Zuckerguss-Landschaft. Es ist ein komisches Gefühl hinten auf dem großen Holzschlitten zu stehen und hinter den anderen Schlitten herzufahren. Die Hunde überschlagen sich fast vor Freude, dass sie endlich laufen können. Man kann sein eigenes Wort nicht mehr verstehen. Nach ca. der Hälfte der Zeit und einer kleinen Pause für die energiegeladenen Hunde und einem Heißgetränk für uns, welches wir bitter nötig hatten, wechseln wir. Nun steuert meine Freundin den Schlitten, während ich auf dem mit Fell bestücktem Schlitten die Stärke bewundere, mit welcher die eifrigen Huskys den Schlitten mit 2 Personen drauf locker flockig durch die Schneemassen ziehen.
Nach diesem tierischen Abenteuer wartet das nächste Highlight auf uns: das fantastische Eishotel in Jukkasjäwi. Wir bekommen eine ausführliche Einweisung und Führung durch die Anlage. Waschräume, Schließfächer, Gepäckraum und Rezeption sind im normalen Haupthaus. Die Zimmer jedoch inklusive Bar sind im aus Eis gebauten Gebäude. Es gibt keine Türen, sondern nur schwere Vorhänge – etwas ungewöhnlich, aber logisch. Wie sollen auch Scharniere aus Eis gefertigt werden. Denn eins ist klar: hier ist alles aus Eis gemacht, ohne Hilfsmittel. Bar, Gläser, Lampen, Tische, Stühle, Bett – alles ist in mühevoller Arbeit designed und gefertigt worden. Und das jedes Jahr neu, weil im Sommer das Eishotel schmilzt. Im nächsten Winter wird es dann wieder neu entworfen und aufgebaut. Daher ist jedes Eishotel ein Einzelstück. Sogar eine Kapelle gibt es und es finden tatsächlich auch Hochzeiten hier statt. Aber wir haben ein volles Programm und müssen auch schon los – zur Snowbike Tour.
Jetzt wird es schnell, denn diese Bikes haben es wirklich in sich. Auch wenn ich persönlich Geschwindigkeit mag, bin ich lieber Beifahrer. Doch hier hat jeder sein eigenes Bike. Kleidung wird uns wieder gestellt und ich kann jedem nur empfehlen mehrere Handschuhe übereinander anzuziehen. Man bekommt Faustlinge gestellt, aber trotz 2 Lagen übereinander hatte ich Eisfinger – und das ist gar nicht so ungefährlich, da man ja selbst Gas und Bremse betätigen muss. Nach einer rasanten Fahrt durch die Abenddämmerung lassen wir den Abend in einer Holzhütte bei Lagerfeuer und gegrilltem Essen sowie Heißgetränken ausklingen.
Nach so viel Action könnte man eigentlich jetzt ins Bett fallen – wenn dieses nicht aus Eis wäre. Bevor wir uns in unsere Schlafsäcke verkriechen, lassen wir uns noch einen Absacker in der Absolut Eisbar aus einem echten Eisglas munden. Und dann startet das einzigartige Erlebnis Übernachtung im Eishotel. Für all diejenigen, die sich Sorgen machen, dass man frieren könnte, es viel zu hart zum Schlafen ist und man sowieso kein Auge zu tun kann – ich habe tief und fest geschlafen und nicht eine Sekunde gefroren. Mit Thermounterwäsche, Mütze und Gesichtsschutz dick eingepackt im Schlafsack war es muckelig warm und erstaunlich gemütlich. Und dass quasi jeden Moment fremde Leute im Zimmer stehen könnten, hat man ganz schnell ausgeblendet. Trotzdem ist die Nacht kurz, denn früh am nächsten Morgen geht es für uns auf zum nächsten tierischen Abenteuer: der Rentierschlittenfahrt.
Zuerst erfahren wir einiges über die Sami Kultur und dürfen zusehen, wie ein Rentier mit Lasso eingefangen wird. Anschließend machen wir uns auf eine kurze Schlittenfahrt durch die Umgebung bevor wir am Ende in einem Zelt entspannt landestypische Snacks genießen. Und dann geht es auch schon nach ganz vielen intensiven Erlebnissen zurück nach Hause. Es war wirklich ein „Once in a Lifetime“-Kurztrip, der mir ewig in Erinnerung bleiben wird. Es war schlicht und ergreifend ein einmaliges Abenteuer!
Meine ganz persönlichen WOW-Momente auf dieser Reise:
- 1 Nacht im Eishotel in Jukkasjäwi auf einem Bett aus Eis
- Vodka Lemon aus einem Glas aus Eis an der Eisbar
- Snowbiketour mit Lagerfeuer
- Husky-Schlitten selbst fahren mit 5 energiegeladenen Schlittenhunden
- Rentierschlittenfahrt
